~~META: portals = portal:erwerbsminderungsrente;portal:schwerbehinderung;portal:pflegegrad;portal:reha;portal:myalgische-enzephalomyelitis;portal:medizinische-versorgung-behandlung ~~ # Post-Exertionelle Malaise (PEM) Post-Exertionelle Malaise (PEM) bezeichnet eine Verschlechterung von Beschwerden nach körperlicher, geistiger, emotionaler oder sozialer Belastung. Sie kann erst Stunden oder Tage nach einer Aktivität auftreten und länger anhalten. PEM ist ein zentrales Merkmal von Myalgischer Enzephalomyelitis / Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS), reicht allein aber nicht für eine Diagnose. Dieser Artikel erklärt, woran PEM zu erkennen sein kann und welche Grenzen allgemeine Hinweise haben; er ersetzt keine individuelle Diagnose oder Behandlung. {{ :me:pem.jpg?direct&450 |Darstellung der Post-Exertionellen Malaise}} ## Das Wichtigste zuerst Auch eine früher gut verträgliche oder scheinbar geringe Aktivität kann bei ME/CFS zu einer Verschlechterung führen. Beschwerden können zum Beispiel Erschöpfung, Schmerzen, Konzentrationsprobleme oder Schlafstörungen verstärken. Die Stärke, der Beginn und die Dauer sind individuell verschieden; ein starres Zeitfenster ist für die persönliche Einschätzung nicht geeignet. PEM ist mehr als gewöhnliche Müdigkeit nach Anstrengung. Wer eine solche Verschlechterung vermutet, sollte nicht versuchen, sie absichtlich durch Belastung auszulösen. Für die medizinische Einordnung sind der Verlauf und mögliche andere Ursachen wichtig. Der Name setzt sich aus „post“ für „nach“, „exertion“ für „Anstrengung“ und „malaise“ für „Krankheitsgefühl“ zusammen. In Fachtexten unterscheiden sich die genauen Zeitangaben und Definitionen. Das [D-A-CH-Konsensus-Statement](https://link.springer.com/article/10.1007/s00508-024-02372-y) beschreibt auch sensorische und orthostatische Belastung als mögliche Auslöser; eine starre Mindestdauer aus einer einzelnen Definition sollte nicht auf jede persönliche Episode übertragen werden. ## Woran kann ich PEM erkennen? Eine PEM kann unmittelbar beginnen, tritt aber häufig verzögert auf. Die Beschwerden können nach körperlicher Aktivität ebenso wie nach Denken, Gesprächen, emotionaler Belastung oder anderen Anforderungen zunehmen. Auch die Erholungszeit kann von Episode zu Episode variieren. Für ein Gespräch mit einer behandelnden Fachperson können diese Fragen hilfreich sein: * Welche Aktivität ging der Verschlechterung voraus? * Wann begann sie und welche Beschwerden nahmen zu oder kamen hinzu? * Wie lange dauerte es, bis sich der vorherige Zustand wieder einstellte? Eine kurze Notiz reicht, wenn eine ausführliche Dokumentation zu belastend ist. Für die Diagnose müssen die Beschwerden im Zusammenhang mit der gesamten Krankengeschichte betrachtet werden. Zur strukturierten Erfassung gibt es den [DePaul Symptom Questionnaire für PEM](https://cfc.charite.de/fileadmin/user_upload/microsites/kompetenzzentren/cfc/ZZ_alte_Dateien/Landing_Page/DSQ-PEM_TUM.pdf). Ein solcher Fragebogen ist ein Hilfsmittel für das Gespräch, kein eigenständiger Nachweis von ME/CFS. Beschwerden können auch dann medizinisch relevant sein, wenn die gesamte ME/CFS-Diagnose nicht erfüllt ist; Betroffene brauchen in dieser Situation ebenfalls eine sorgfältige Abklärung und Versorgung. ## Was kann im Alltag helfen? Energiemanagement, auch Pacing genannt, bedeutet, Aktivitäten und Ruhe an die aktuelle Belastbarkeit anzupassen. Ziel ist, Verschlechterungen möglichst zu vermeiden. Es ist keine Heilbehandlung und garantiert nicht, dass PEM ausbleibt. Die eigene Belastungsgrenze kann schwanken. Starre Vorgaben zur Steigerung von Aktivität sind bei ME/CFS ungeeignet, wenn sie unabhängig von Beschwerden und Belastungsfolgen erfolgen. Plane notwendige Termine nach Möglichkeit so, dass deine Grenzen und mögliche Anpassungen berücksichtigt werden; hole bei Bedarf Unterstützung hinzu. ## PEM und die Diagnose ME/CFS PEM ist für die heute gebräuchlichen diagnostischen Beschreibungen von ME/CFS besonders wichtig. Weitere Beschwerden, die Dauer der Erkrankung und die Abklärung anderer Ursachen gehören ebenfalls zur Diagnose. PEM allein beweist ME/CFS nicht; auch andere Erkrankungen und mögliche Begleiterkrankungen müssen medizinisch eingeordnet werden. In den Internationalen Konsenskriterien wird auch der Begriff „post-exertional neuroimmune exhaustion“ (PENE) verwendet. Er beschreibt einen verwandten Belastungskomplex innerhalb dieser Kriterien. Welche Kriterien für eine konkrete Diagnose herangezogen werden, sollte mit fachkundigen Behandelnden besprochen werden. ## Weiterlesen * [Diagnosekriterien für ME/CFS](:a-z:diagnosekriterien) * [Leit- und Kernsymptome](:a-z:symptome) * [Überblick über ME/CFS](:me) ## Quellen * [NICE-Leitlinie NG206: Symptome, PEM und Energiemanagement](https://www.nice.org.uk/guidance/ng206/chapter/recommendations) * [CDC: Strategien zur Vermeidung von Symptomverschlechterungen](https://www.cdc.gov/me-cfs/hcp/clinical-care/treating-the-most-disruptive-symptoms-first-and-preventing-worsening-of-symptoms.html) * [IQWiG: ME/CFS, Beschwerden und PEM](https://www.gesundheitsinformation.de/mecfs-myalgische-enzephalomyelitis-chronisches-fatigue-syndrom.html) * [International Consensus Criteria: PENE](https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1365-2796.2011.02428.x) * [D-A-CH-Konsensus-Statement: Beschreibung von PEM und Belastungsauslösern](https://link.springer.com/article/10.1007/s00508-024-02372-y) * [TU München: Fragebogen zur Erfassung von PEM](https://cfc.charite.de/fileadmin/user_upload/microsites/kompetenzzentren/cfc/ZZ_alte_Dateien/Landing_Page/DSQ-PEM_TUM.pdf) #@VGWORT_HTML~vg09,3e1d6b0717c84fcbbdd0a38d883f8946~@# # Häufige Fragen ## Wie lange dauert eine PEM? Das ist unterschiedlich. Sie kann Stunden, Tage oder länger anhalten. Eine pauschale Mindestdauer beschreibt nicht jede individuelle Situation zuverlässig. ## Reicht PEM für eine ME/CFS-Diagnose aus? Nein. PEM ist ein wichtiges Merkmal, aber die Diagnose berücksichtigt weitere Beschwerden, den Verlauf und andere mögliche Ursachen. Mehr dazu steht im Artikel [Diagnosekriterien](:a-z:diagnosekriterien). ## Sollte ich meine Belastungsgrenze testen? Eine absichtlich herbeigeführte Symptomverschlechterung ist keine Voraussetzung für die eigene Beobachtung. Besprich Fragen zur Diagnostik und Belastbarkeit mit einer fachkundigen medizinischen Person, statt PEM gezielt auszulösen.