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22.12.2025 Biopsychosoziales Modell? Ja, aber richtig!

Für einen Teil der ME/CFS-Community ist das biopsychosoziale (BPS) Modell ein wichtiges Thema. In diesem Beitrag wird die Grundidee des Modells einfach erklärt.

Das biopsychosoziale Modell sieht Krankheiten als Ergebnis von biologischen, psychischen und sozialen Faktoren. Es ergänzt das biomedizinische Modell, das nur einfache Ursache-Wirkungs-Beziehungen betrachtet.

Die folgenden einfachen Beispiele zeigen die Grundidee. Die Gewichtungen sind nicht allgemein gültig und hängen von der Situation ab. Sie können sich auch im Krankheitsverlauf ändern.

Armbruch

Panikstörung

Burn-out

Extreme Positionen

Einige Betroffene sehen das Modell so, dass psychische Faktoren die Hauptursache sind. Dies kommt oft durch Ärzte, die das Modell falsch anwenden. Manche Ärzte sehen das Modell nicht ganzheitlich, sondern reduzieren komplexe Krankheiten auf die „Psyche“. Dies ist falsch, denn das Modell soll biologische Prozesse ernst nehmen und auch den Umgang mit der Krankheit und die sozialen Bedingungen berücksichtigen.

Bei ME/CFS haben sich zwei verschiedene Sichtweisen entwickelt.

Die Sicht mit primärer psychologischer Betonung

Viele Betroffene haben erlebt, dass ihre Krankheit so eingeordnet wurde:

Das führte oft zu Therapien wie Bewegungstherapie oder kognitiver Verhaltenstherapie. Oft werden Symptome als eingebildet oder simuliert betrachtet. Diese Sichtweise erschwert die medizinische Behandlung, verstärkt Vorurteile und verzögert die Forschung.

Die Gegenreaktion

Als Reaktion auf die stark psychologische Sicht haben einige Betroffene die entgegengesetzte Haltung eingenommen und sehen die Krankheit nur biologisch.

Psychologische Unterstützung wird oft abgelehnt. In der Diskussion entsteht ein stark polarisiertes Bild von Biologie gegen Psychologie.

Ein ausgewogenerer Blick

Keines der Modelle wird ME/CFS gerecht. Niemand weiß genau, wie die Faktoren zusammenhängen. Beide Extreme sind nicht richtig. Ein differenzierteres Verständnis könnte so aussehen:

  • Biologisch: Störungen im Energiestoffwechsel, zentrale Symptome wie Post Exertional Malaise, Immunreaktionen, Probleme im Nervensystem.
  • Psychisch: Reaktionen auf eine schwere Krankheit, emotionale Anpassung, Umgang mit Funktionsverlust; diese Faktoren sind Folgen, keine Auslöser.
  • Sozial: Probleme in der Versorgung, eingeschränkte Teilnahme, Isolation, Vorurteile, Auswirkungen auf Arbeit und Beziehungen; auch diese Faktoren sind Folgen, keine Ursachen.

Zitate

Bettina Grande (Dipl.-Psych., Psychologische Psychotherapeutin) im Spiegel-Artikel:

Zum biopsychosozialen Modell in Bezug auf ME/CFS sage ich als Psychotherapeutin Folgendes:

Wenn sich Ärzte und Wissenschaftler um biologische Faktoren kümmern und Behörden und Krankenkassen dafür sorgen würden, dass die sozialen Faktoren weniger schlimm wären, dann würde es für meine Berufsgruppe nur sehr wenig zu tun geben.

Das Modell

Das biopsychosoziale Modell ist neutral. Wie es genutzt wird, hängt von den Nutzern ab. Der vorherige Abschnitt zeigt, wie man es falsch nutzen kann.

Das Modell sollte jedoch nicht komplett abgelehnt werden. Abgelehnt werden muss die falsche Nutzung des Modells.

Die positiven Effekte zeigen sich, z.B. bei der Nutzung des Modells in der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF).