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Biopsychosoziales Modell? Ja, aber richtig!

Für einen Teil der Menschen mit ME/CFS ist das biopsychosoziale (BPS) Modell ein wichtiges Thema. In diesem Beitrag wird die Grundidee des Modells einfach erklärt.

Das biopsychosoziale Modell sieht Krankheiten als das Ergebnis von biologischen, psychischen und sozialen Faktoren. Es ergänzt das biomedizinische Modell, das nur auf körperliche Ursachen schaut.

Hier sind einige einfache Beispiele, die die Grundidee zeigen. Ich habe die Bereiche unterschiedlich gewichtet, um die Aussagen zu verdeutlichen. Die Gewichtungen sind nicht immer gleich, sie hängen von der Situation ab und können sich im Krankheitsverlauf ändern.

Armbruch

Panikstörung

Burn-out

Extreme Positionen

Manche Betroffene haben das Gefühl, dass psychologische Faktoren immer im Vordergrund stehen. Diese Sicht wird oft von Ärzten geprägt, die das Modell falsch anwenden. Einige Ärzte sehen das Modell nicht als ein ganzheitliches Werkzeug, sondern reduzieren komplexe Krankheiten auf die „Psyche“. Das ist nicht richtig, denn das Modell soll auch biologische Prozesse und den Umgang mit der Krankheit berücksichtigen.

Im Zusammenhang mit ME/CFS gibt es zwei gegensätzliche Sichtweisen.

Die Sicht mit primärer psychologischer Betonung

Viele Betroffene haben erfahren, dass ihre Krankheit so eingeordnet wurde:

Das führte oft zu Therapievorschlägen wie Bewegungstherapie oder kognitive Verhaltenstherapie. Häufig werden Symptome als eingebildet oder simuliert dargestellt. Diese Sichtweise macht es schwer, eine gute medizinische Versorgung zu bekommen und verstärkt die Stigmatisierung.

Die Gegenreaktion

Als Antwort auf die starke Betonung psychologischer Aspekte haben einige Betroffene eine rein biologische Sichtweise entwickelt.

Oft wird psychologische Hilfe zur Bewältigung der Krankheitsfolgen nicht akzeptiert. So entsteht ein stark polarisiertes Bild von Biologie gegen Psychologie.

Ein ausgewogenerer Blick

Keins der extremen Modelle erklärt ME/CFS vollständig. Niemand weiß genau, welche Faktoren wie wichtig sind. Ein besseres Verständnis könnte so aussehen:

  • Biologisch: Probleme im Energiestoffwechsel, zentrale Symptome wie Post Exertional Malaise, Immunreaktionen, Probleme im autonomen Nervensystem, Durchblutungs- und neurologische Störungen.
  • Psychisch: Reaktionen auf eine schwere Krankheit, emotionale Anpassung an den Funktionsverlust; diese Faktoren sind Folgen, keine Ursachen.
  • Sozial: Schwierigkeiten beim Zugang zu Hilfe, eingeschränkte Teilnahme am Leben, soziale Isolation, Missverständnisse, Stigmatisierung, Folgen auf Arbeit und Beziehungen; auch diese Faktoren sind Folgen, keine Ursachen.

Zitate

Bettina Grande (Dipl.-Psych., Psychologische Psychotherapeutin) im Spiegel-Artikel:

Als Psychotherapeutin sage ich zum biopsychosozialen Modell in Bezug auf ME/CFS folgendes:

Wenn sich Ärzte und Wissenschaftler um biologische Faktoren kümmern und Behörden und Krankenkassen dafür sorgen würden, dass die sozialen Faktoren besser sind, dann bliebe für meine Berufsgruppe nur noch wenig zu tun.

Das Modell

Das biopsychosoziale Modell ist neutral. Wie es genutzt wird, hängt von den Nutzern ab. Der vorherige Abschnitt zeigt, wie man es falsch nutzen kann.

Das sollte aber nicht dazu führen, dass das Modell ganz abgelehnt wird. Man sollte die falsche Nutzung ablehnen.

Die positiven Effekte sieht man z.B. bei der Anwendung des Modells in der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF).