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FUNCAP – Fragebogen zur funktionellen Kapazität

Der FUNCAP (Functional Capacity Questionnaire) ist ein Fragebogen zur Erfassung der funktionellen Leistungsfähigkeit bei Erkrankungen mit post-exertioneller Malaise (PEM). Anders als viele allgemeine Funktionsfragebögen fragt er nicht nur, ob eine Tätigkeit grundsätzlich möglich ist, sondern welche Folgen sie für weitere Aktivitäten am selben Tag und an den Folgetagen hat. Dadurch kann er Einschränkungen bei ME/CFS differenzierter sichtbar machen und Veränderungen im Krankheitsverlauf dokumentieren. Der FUNCAP ist als ausführlicher FUNCAP55 und als kürzerer FUNCAP27 verfügbar.

Was misst der FUNCAP?

Menschen mit ME/CFS können eine Tätigkeit unter Umständen einmal ausführen, müssen dafür aber andere Tätigkeiten aufgeben oder erleben danach eine länger anhaltende Symptomverschlechterung. Eine einfache Frage wie „Können Sie duschen?“ bildet diesen Unterschied nicht ab. Der FUNCAP fragt deshalb nach den Auswirkungen einer Aktivität auf die verbleibende funktionelle Kapazität.

Der Fragebogen umfasst acht Lebensbereiche:

- Körperpflege und Grundfunktionen - Gehen und Fortbewegung - aufrechtes Sitzen und Stehen - Tätigkeiten im Haushalt - Kommunikation - Tätigkeiten außerhalb der Wohnung - Reaktionen auf Licht und Geräusche - Konzentration

Damit berücksichtigt der FUNCAP körperliche, kognitive und soziale Belastungen sowie Reizbelastungen. Er ist kein reiner Fatigue-Fragebogen.

Wie funktionieren die Antworten?

Für jede beschriebene Tätigkeit stehen sieben Antwortstufen von 0 bis 6 zur Verfügung. Sie reichen von „gar nicht möglich“ über eine starke Einschränkung für mehrere Tage bis zu „unproblematisch und ohne Einfluss auf andere Aktivitäten“. Niedrigere Werte stehen somit für eine geringere funktionelle Kapazität, höhere Werte für eine größere Kapazität.

Entscheidend ist nicht allein, ob die Tätigkeit irgendwie bewältigt werden kann. Berücksichtigt werden soll auch, ob dadurch:

- am selben Tag andere Aktivitäten eingeschränkt werden müssen, - für ein oder zwei Folgetage kaum noch etwas anderes möglich ist oder - die Kapazität für mindestens drei Tage stark vermindert wird.

Diese Art der Fragestellung bezieht die möglichen verzögerten und länger anhaltenden Folgen einer Belastung ein. Nach Angaben der FUNCAP-Webseite kann PEM nach Überschreiten der individuellen körperlichen, kognitiven oder sozialen Belastungsgrenze verzögert einsetzen und Tage, Wochen oder länger anhalten. Auch die Summe mehrerer kleiner Aktivitäten kann PEM auslösen.

FUNCAP55 und FUNCAP27

FUNCAP55

Der FUNCAP55 enthält 55 Fragen und bildet die acht Lebensbereiche ausführlicher ab. Die Langfassung ist besonders geeignet, wenn die funktionellen Einschränkungen erstmals umfassend beschrieben werden sollen, etwa im Rahmen der medizinischen Abklärung oder einer sozialmedizinischen Beurteilung. Durch die größere Zahl von Fragen kann sie unterschiedliche Abstufungen innerhalb eines Lebensbereichs genauer erfassen.

Das Ausfüllen kann jedoch anstrengend sein und selbst zur Belastung werden. Pausen, Hilfe durch eine vertraute Person oder das Bearbeiten in mehreren Abschnitten können deshalb sinnvoll sein.

FUNCAP27

Der FUNCAP27 ist eine Kurzfassung mit 27 ausgewählten Fragen. Er wurde für die klinische Verlaufskontrolle und einen möglichen Einsatz in der Forschung entwickelt. Wegen des geringeren Umfangs eignet er sich eher für wiederholte Erhebungen und kann für schwer erkrankte oder kognitiv stark eingeschränkte Menschen leichter zu bewältigen sein.

Auch die Kurzfassung deckt alle acht Lebensbereiche ab. Sie beschreibt einzelne Bereiche jedoch naturgemäß weniger detailliert als der FUNCAP55. Für wiederholte Vergleiche sollte möglichst dieselbe Version unter ähnlichen Bedingungen verwendet werden.

Entwicklung und wissenschaftliche Untersuchung

Der FUNCAP wurde unter wiederholter Beteiligung von Menschen mit ME/CFS entwickelt. In mehreren Befragungsrunden gaben Betroffene Rückmeldung zu Fragen, Antwortmöglichkeiten und dazu, wie gut ihre tatsächlichen Einschränkungen erfasst wurden.

Die 2024 veröffentlichte Validierungsstudie untersuchte eine große norwegische Stichprobe mit 1.263 Menschen mit ME/CFS und eine unabhängige internationale englischsprachige Stichprobe mit 1.387 Betroffenen. Für beide Fassungen wurden eine gute Zuverlässigkeit und Validität berichtet. Die Gesamtwerte von FUNCAP55 und FUNCAP27 stimmten in den untersuchten Stichproben sehr eng überein. Für den FUNCAP27 wurde außerdem eine hohe Stabilität bei einer Wiederholung nach zwei Wochen festgestellt.

Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass der FUNCAP funktionelle Einschränkungen bei ME/CFS zuverlässig abbilden kann. Sie bedeuten jedoch nicht, dass ein bestimmter Punktwert allein eine Diagnose beweist oder automatisch einen rechtlichen Leistungsanspruch feststellt.

Hinweise zum Ausfüllen

- Die Antworten sollen sich auf einen typischen beziehungsweise durchschnittlichen Tag im letzten Monat beziehen – nicht nur auf den besten oder schlechtesten Tag. - Bei einer Tätigkeit, die normalerweise nicht ausgeführt wird, soll eingeschätzt werden, welche Folgen sie voraussichtlich hätte. - Zur Tätigkeit gehören alle dafür notwendigen Schritte. Zum Einkaufen zählen beispielsweise auch Anziehen, Hin- und Rückweg sowie das Verstauen der Einkäufe. - Maßgeblich ist die reale Kapazität einschließlich nötiger Erholung und möglicher PEM, nicht das, was unter Selbstüberforderung einmalig erzwungen werden könnte. - Wer stark schwankt, kann ergänzend gute und schlechte Phasen sowie besondere Umstände notieren. Ein einzelner Wert bildet nicht jede Schwankung ab. - Menschen mit kognitiven Einschränkungen können sich beim Lesen, Eintragen oder Erinnern helfen lassen. Bei Kindern und sehr schwer Betroffenen kann eine betreuende Person unterstützen oder stellvertretend antworten. - Das Ausfüllen sollte möglichst energiesparend erfolgen. Pausen, Vorlesen, ein abgedunkelter Bildschirm oder das Verteilen auf mehrere Abschnitte können Überlastung vermeiden.

Bei einer Verlaufskontrolle sind Datum, verwendete Version und besondere Einflüsse – etwa Infekt, Crash oder Therapieänderung – hilfreich. Veränderungen einzelner Bereiche können aussagekräftiger sein als nur ein Gesamtwert.

Auswertung und Grenzen

Aus den Antworten lassen sich Werte für die acht Funktionsbereiche sowie ein Gesamtwert bilden. Ein Bereichswert ist der Mittelwert der zugehörigen Antworten; der Gesamtwert wird aus den acht Bereichswerten berechnet. Dadurch werden die Lebensbereiche trotz unterschiedlich vieler Fragen gleich gewichtet.

Der FUNCAP ist ein Instrument zur Selbstauskunft. Das Ergebnis kann helfen, Einschränkungen im Arztgespräch konkret zu beschreiben, den Verlauf festzuhalten oder Unterlagen für sozialmedizinische Verfahren zu ergänzen. Es ersetzt jedoch weder eine ärztliche Anamnese und Untersuchung noch anerkannte Diagnosekriterien für ME/CFS. Auch Behörden, Versicherungen und Gerichte bewerten einen FUNCAP-Bericht im Zusammenhang mit weiteren medizinischen und funktionellen Nachweisen.

Mögliche Grenzen sind Erinnerungsschwierigkeiten, Schwankungen des Gesundheitszustands, Begleiterkrankungen und unterschiedliche Auslegungen einzelner Tätigkeiten. Außerdem kann Pacing dazu führen, dass Symptome seltener auftreten, obwohl die funktionelle Kapazität weiterhin stark eingeschränkt ist. Die Antwort sollte deshalb die Einschränkungen und Aktivitätsfolgen abbilden, nicht lediglich die aktuell durch Vermeidung erreichte Symptomkontrolle.

FUNCAP auf Deutsch ausfüllen

Der Fragebogen kann auf folgenden Seiten online in deutscher Sprache ausgefüllt und ausgewertet werden:

- ME/CFS-Wiki: Gesundheitssteckbrief - Schweizerische Gesellschaft für ME & CFS: FUNCAP-Schweregrad-Rechner

Von den Autorinnen und Autoren freigegebene deutsche Fassungen des FUNCAP27 und FUNCAP55 stehen außerdem auf der offiziellen FUNCAP-Webseite kostenlos als PDF- und DOCX-Dateien zur Verfügung.

Häufige Fragen

Was ist der FUNCAP-Fragebogen?

Der FUNCAP ist ein Selbstauskunftsfragebogen, der die funktionelle Kapazität bei Erkrankungen mit PEM erfasst. Er untersucht, wie sich konkrete Aktivitäten auf die Fähigkeit auswirken, anschließend weitere Tätigkeiten auszuführen.

Was ist der Unterschied zwischen FUNCAP27 und FUNCAP55?

Der FUNCAP55 umfasst 55 Fragen und ermöglicht eine ausführlichere Beschreibung der Einschränkungen. Der FUNCAP27 enthält 27 Fragen, deckt aber ebenfalls alle acht Funktionsbereiche ab. Er ist weniger belastend und vor allem für wiederholte Verlaufskontrollen sowie die Forschung vorgesehen.

Welche FUNCAP-Version sollte ich verwenden?

Für eine erstmalige, detaillierte Funktionsbeschreibung ist der FUNCAP55 meist geeigneter. Für regelmäßige Wiederholungen oder bei geringer Belastbarkeit kann der FUNCAP27 zweckmäßiger sein. Bei Verlaufsvergleichen sollte möglichst immer dieselbe Version genutzt werden.

Kann der FUNCAP ME/CFS diagnostizieren?

Nein. Der Fragebogen kann die Abklärung unterstützen und ME/CFS-typische Aktivitätsfolgen sichtbar machen, stellt für sich allein aber keine Diagnose. Dafür sind eine medizinische Untersuchung, der Ausschluss anderer Ursachen und die Anwendung geeigneter Diagnosekriterien erforderlich.

Ist ein höherer FUNCAP-Wert besser oder schlechter?

Ein höherer Wert bedeutet eine größere funktionelle Kapazität. Ein niedriger Wert weist auf stärkere Einschränkungen hin. Für die Interpretation sind neben dem Gesamtwert auch die acht einzelnen Funktionsbereiche wichtig.

Kann der FUNCAP bei Long COVID verwendet werden?

Der FUNCAP wurde anhand von Menschen mit ME/CFS entwickelt. Nach Angaben der offiziellen Webseite ist er für Erkrankungen vorgesehen, bei denen PEM auftritt. Mit Einschränkungen ist er auch bei Post COVID nutzbar. Die ursprüngliche Validierungsstudie bezog sich jedoch auf ME/CFS.

Wie oft sollte der FUNCAP ausgefüllt werden?

Es gibt keinen für alle passenden festen Abstand. Für Verlaufskontrollen sollte der Zeitraum lang genug sein, um eine relevante Veränderung erkennen zu können, und das Ausfüllen selbst darf keine Überlastung verursachen. Ärztliche Termine, Therapieänderungen oder sozialmedizinische Verfahren können sinnvolle Anlässe sein.

Quellen