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Mobilitätshilfen bei ME/CFS

Wenn man überlegt, ob man einen Rollstuhl oder eine andere Mobilitätshilfe braucht, ist das oft ein Zeichen, dass ein solches Hilfsmittel sinnvoll wäre. Frühzeitig benutzen hilft, keine Überanstrengung zu haben, und verbessert den Alltag.

Dieser Artikel gibt nur einen ersten Überblick. Eine gute Beratung durch ein Sanitätshaus ist wichtig. Dort kennt man sich mit den verschiedenen Möglichkeiten aus.

Zentrale Fragen für die Entscheidung

1. Wie viel Unterstützung wird benötigt?

2. Für welche Strecken benötige ich Hilfe?

3. Wie sieht das Wohnumfeld aus?

4. Ist Transportierbarkeit wichtig?

5. Ist eine Liege- oder Entlastungsposition erforderlich?

6. Müssen Körperteile gestützt werden?

7. Welche Hilfe steht durch Angehörige oder Assistenzpersonen zur Verfügung?

8. Wie stabil oder schwankend ist der eigene Gesundheitszustand?

9. Welche Punkte sind wichtig oder dringend nötig?

Mobilitätshilfen

Es gibt viele verschiedene Mobilitätslösungen. Dazu gehören klassische Rollstühle, leichte oder anpassbare Modelle sowie elektrische oder teilunterstützte Systeme. Dieser Artikel gibt einen Überblick über diese Optionen und ihre Besonderheiten für ME/CFS.

Die genannten Produkte sind Empfehlungen von Menschen mit ME/CFS und keine offizielle Empfehlung.

1. Manuelle Hilfsmittel (ohne motorische Unterstützung)

Klassischer Rollstuhl

Ein klassischer Innenrollstuhl ist für kurze Wege in der Wohnung gedacht. Er hilft, Transfers und Bewegungen in Innenräumen zu erleichtern, wenn man kaum eigene Kraft hat. Eine Liegeposition ist nicht vorgesehen. Das Gewicht liegt meist zwischen 20 und 30 kg.

Eignung für ME/CFS: ★★★☆☆

Leichtgewichtsrollstuhl

Ein Leichtgewichtsrollstuhl ist besser zu manövrieren als ein Standardrollstuhl. Er kann passiv oder mit eigener Kraft genutzt werden. Wegen des geringeren Gewichts lässt er sich leichter schieben und transportieren. Er eignet sich für Innen- und kürzere Außenwege, wenn die Umgebung barrierearm ist. Eine Liegeposition ist meist nicht vorhanden. Das Gewicht liegt zwischen 13 und 16 kg.

Eignung für ME/CFS: ★★★★☆

Adaptiv-/Aktivrollstuhl (manuell)

Diese leichten Rollstühle erlauben aktives Fahren mit eigener Muskelkraft. Man braucht dafür genug Kraft in Armen und Rumpf. Sie können drinnen und draußen genutzt werden, wenn die Umgebung barrierearm ist. Liegepositionen sind nicht vorgesehen. Das Gewicht liegt normalerweise zwischen 10 und 18 kg.

Eignung für ME/CFS: ★★★☆☆

2. Teilmotorisierte Hilfsmittel (manuell + Antrieb)

Adaptiv-/Aktivrollstuhl mit Zusatzantrieb

Zusatzmotoren helfen beim Fahren und entlasten. Der Rollstuhl bleibt leicht und gut nutzbar. Das Zusatzgewicht liegt bei etwa 4 bis 15 kg.

Eignung für ME/CFS: ★★★★☆

Beispiele:

Zuggeräte für Leichtgewichts-/Aktivrollstühle

Zuggeräte verwandeln den Rollstuhl in ein E-Trike (Dreirad) und helfen bei längeren Wegen draußen, Steigungen und unebenen Untergründen. Sie wiegen meist zwischen 10 und 20 kg.

Eignung für ME/CFS: ★★★★☆

Beispiele:

3. Vollmotorisierte Hilfsmittel

Elektrischer Rollstuhl (einfach, kompakt, teilweise faltbar)

Diese Modelle bieten vollmotorisierte Fortbewegung. Sie sind leicht und oft transportfähig, z. B. im Kofferraum. Sie eignen sich gut für Innen- und Außennutzung. Eine Liegeposition ist selten vorhanden. Das Gewicht beträgt meist 20 bis 35 kg.

Eignung für ME/CFS: ★★★★☆

Beispiele:

Elektrischer Rollstuhl (umfassend ausgestattet)

Diese Modelle haben Sitzkantelung, Rückenwinkelverstellung und manchmal Liegeposition. Sie bieten viel Stabilität und Entlastung, brauchen aber viel Platz und wiegen zwischen 90 und 180 kg.

Eignung für ME/CFS: ★★★★★

Beispiele:

Elektromobil

Ein Elektromobil ist ein motorisiertes Fahrzeug für längere Wege draußen. Es ermöglicht selbstständige Fortbewegung, ist aber oft für Innenräume ungeeignet und relativ schwer (40–120 kg). Liegepositionen sind nicht vorhanden. In vielen Städten ist die Mitnahme von Elektromobilen im ÖPNV nicht erlaubt.

Eignung für ME/CFS: ★★★☆☆

Weitere Hilfsmittel

Elektro-Zusatzantriebe für Rollstühle

Zusatzantriebe ermöglichen selbstständiges Fahren für manuelle Rollstühle. Sie erhöhen das Gewicht nur wenig (4–15 kg) und eignen sich für Innen- und Außenbereiche.

Eignung für ME/CFS: ★★★★★

Verordnung

Eine Verordnung kann man normalerweise vom Hausarzt bekommen. Man sollte mit dem Sanitätshaus vorher über die Verordnung sprechen.

Ein Beispiel für eine Ergoflix Verordnung:

1 faltbarer elektrischer Rollstuhl zur selbstständigen Mobilität und Teilhabe im näheren Umfeld.

Diagnose: Post-Covid und ME/CFS; dauerhaft erheblich eingeschränkte Belastbarkeit und Mobilität

Voraussetzungen für die Kostenübernahme (gesetzliche Krankenkasse)

Die Kostenübernahme für Mobilitätshilfen durch die gesetzliche Krankenkasse hängt von § 33 SGB V und § 47 SGB IX ab. Wichtig ist das Grundbedürfnis, sich im Nahbereich fortzubewegen. Das bedeutet, dass man in der Nähe seiner Wohnung das Wichtigste erreichen kann.

Das Bundessozialgericht (BSG) hat am 18.04.2024 klar gemacht, dass der Nahbereich nicht an eine feste Entfernung gebunden ist. Es kommt auf die örtlichen Gegebenheiten und Entfernungen zu wichtigen Einrichtungen an. Auch längere Wege können zum Nahbereich gehören. Mobilitätshilfen mit mehr Geschwindigkeit oder Reichweite können übernommen werden, wenn sie helfen, den Nahbereich zu erreichen.

Bei Anträgen an die gesetzliche Krankenkasse sollte die Notwendigkeit der Mobilitätshilfe betont werden. Es sollte nicht nur gesagt werden, dass ein faltbarer Rollstuhl besser in den Kofferraum passt. Argumente könnten sein, dass die Faltbarkeit medizinisch nötig ist oder dass der Rollstuhl nur zusammengeklappt in die Wohnung passt.

Die gesetzliche Krankenkasse ist normalerweise nicht zuständig für eine Hebeeinrichtung zum Verladen eines Rollstuhls in ein Auto. Andere Rehabilitationsträger könnten helfen, wie im Rahmen von § 113 SGB IX. Die Voraussetzungen werden immer einzeln geprüft.

Weitere Informationen

Erschließung des Nahbereichs

- Die Krankenkasse muss motorunterstützte Mobilitätshilfen bereitstellen, wenn die Erschließung des Nahbereichs nur so möglich ist.

- Ob man den Nahbereich nur mit einer motorunterstützten Hilfe erreichen kann, hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab.

[2026] Sozialgericht Marburg S 25 KR 60/23

Menschen haben einen Anspruch auf einen Aktivrollstuhl, wenn sie im Nahbereich nicht anders mit eigener Kraft vorankommen können.

Wenn man schon einen Elektrorollstuhl hat, schließt das den Anspruch auf einen Aktivrollstuhl nicht aus.