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Leit- und Kernsymptome

Post Exertionelle Malaise PEM

Die Post Exertionelle Malaise ist das Leitsymptom der Erkrankung und für die Diagnose zwingend erforderlich. Sie beschreibt eine zeitverzögert eintretende und langanhaltende Zustandsverschlechterung nach Belastung. Diese kann unmittelbar, nach bis zu 48 Stunden, in Einzelfällen auch bis zu 72 Stunden auftreten und Tage, Wochen oder dauerhaft anhalten. Unter PEM verschlechtern sich bestehende Symptome oft deutlich oder es treten neue Symptome aus dem ME/CFS Symptomkomplex auf. Ein PEM Schub wird von Betroffenen häufig als „Crash“ bezeichnet.

→ Hauptartikel: Post-Exertionelle Malaise (PEM)

Weitere Kernsymptome

Fatigue

Betroffene leiden unter einer oft erheblich ausgeprägten Fatigue mit deutlichem Leistungsabfall und massiven Einschränkungen im Alltag. a Eine muskuläre Fatigabilität kann mittels zweizeitiger Handkraftmessung nachgewiesen werden. Kognitive Fatigabilität zeigt sich in wiederholten neurokognitiven Testungen, wird jedoch außerhalb von Studien selten angewendet.

Unerholsamer Schlaf

Schlafstörungen sind häufig und vielfältig. Sie reichen von Ein- und Durchschlafstörungen bis zu einem gestörten Tag Nacht Rhythmus. Die Schlafdauer kann verlängert sein, der Schlaf ist jedoch nicht erholsam. Betroffene wachen häufig mit einem ausgeprägten Krankheitsgefühl auf.

Kognitive Einschränkungen

Viele Betroffene beschreiben einen sogenannten Brain Fog. Gemeint ist ein verlangsamtes, zähes und vernebeltes Denken. Häufig bestehen Gedächtnisprobleme, Wortfindungsstörungen und Schwierigkeiten, Gesprächen oder Texten zu folgen. Multitasking ist meist stark eingeschränkt.

In der erweiterten neuropsychologischen Diagnostik zeigen sich häufig:

  • reduzierte Verarbeitungsgeschwindigkeit
  • Aufmerksamkeitsstörungen
  • Einschränkungen des Arbeitsgedächtnisses
  • reduzierte Lerneffizienz

Charakteristisch ist eine Verschlechterung bei zeitlich versetzt wiederholter Testung oder nach längerer kognitiver Belastung.

Orthostatische Intoleranz OI

Orthostatische Intoleranz beschreibt die Unfähigkeit des Körpers, den Kreislauf an eine aufrechte Körperposition anzupassen. Ursache ist eine Dysfunktion der autonomen Regulation mit verminderter Durchblutung des zentralen Nervensystems.

Typische Symptome sind:

  • Schwindel und Benommenheit
  • Herzrasen und Palpitationen
  • Übelkeit und Schwäche
  • Atemnot und thorakale Schmerzen
  • Konzentrationsstörungen und Synkopen
  • Kopfschmerzen oder Migräne

Orthostatische Belastung kann PEM auslösen. Bei einem Teil der Betroffenen lassen sich ein posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom PoTS oder eine orthostatische Hypotonie nachweisen.

Schmerzen

Schmerzen sind häufig und gelten in den CCC Kriterien als Pflichtkriterium.

Typisch sind:

  • neu aufgetretene, oft starke Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen bereits in Ruhe oder nach geringer Belastung
  • Glieder und Gelenkschmerzen ohne Entzündungszeichen
  • neuropathische Schmerzen und Missempfindungen

Weitere Begleitsymptome

Die folgende Übersicht aus den Diagnosekriterien gibt einen Eindruck, welche sonstigen Symptome noch für die Diagnose relevant sein können:

Berücksichtige Symptome

Die folgenden Symptome werden von den jeweiligen Diagnosekriterien berücksichtigt:

CCC (2003) ICC (2011) IOM (2015)
Schlafstörungen
Nicht erholsamer Schlaf ✔ ✔ ✔
Reduzierte Schlafqualität oder -quantität ✔ ✔ ✔
Gestörter / umgekehrter Tag-Nacht-Rhythmus ✔ ✔ –
Hypersomnie ✔ ✔ –
Häufiges nächtliches Erwachen ✔ ✔ –
Schmerzen
Myalgien ✔ ✔ –
Gelenkschmerzen ohne Entzündung ✔ ✔ –
Wandernde Schmerzen ✔ ✔ –
Neuartige oder migräneartige Kopfschmerzen ✔ ✔ –
Generalisierte Schmerzüberempfindlichkeit – ✔ –
Neurologische / kognitive Manifestationen
Konzentrationsstörungen ✔ ✔ ✔
Kurzzeitgedächtnisstörungen ✔ ✔ ✔
Wortfindungsstörungen ✔ ✔ ✔
Verlangsamte Informationsverarbeitung ✔ ✔ ✔
Desorientierung / Verwirrtheit ✔ ✔ –
Sensorische Überempfindlichkeit (Licht, Lärm etc.) ✔ ✔ –
Ataxie / Koordinationsstörungen ✔ ✔ –
Muskelschwäche / Muskelzuckungen ✔ ✔ –
Kognitive Überlastbarkeit mit Crashs ✔ ✔ ✔
Autonome Manifestationen
Orthostatische Intoleranz (OI) ✔ ✔ ✔
Schwindel / Benommenheit ✔ ✔ –
Präsynkopen / Synkopen ✔ ✔ –
Herzklopfen / Tachykardie ✔ ✔ –
Belastungsdyspnoe / Lufthunger ✔ ✔ –
Gastrointestinale Dysregulation (z. B. Reizdarm) ✔ ✔ –
Blasenfunktionsstörungen / Nykturie ✔ ✔ –
Neuroendokrine Manifestationen
Verlust der Thermostabilität ✔ ✔ –
Subnormale Körpertemperatur ✔ ✔ –
Ausgeprägte Tagesschwankungen der Temperatur ✔ ✔ –
Hitze- oder Kälteintoleranz ✔ ✔ –
Gewichts- oder Appetitveränderungen ✔ ✔ –
Verschlechterung bei Stress ✔ ✔ –
Immunologische Manifestationen
Wiederkehrende Halsschmerzen ✔ ✔ –
Druckschmerzhafte Lymphknoten ✔ ✔ –
Grippeähnliche Symptome ✔ ✔ –
Allgemeines Krankheitsgefühl (Malaise) ✔ ✔ –
Erhöhte Infektanfälligkeit – ✔ –
Überempfindlichkeiten (Nahrung, Medikamente, Chemikalien) ✔ ✔ –

Für die einzelnen Diagnosekriterien müssen nicht alle Symptome vorliegen. Jedes der drei Diagnosekriterien wertet die vorliegenden Symptome unterschiedlich aus.

Häufige Fragen

Gehören alle genannten Symptome zwingend zu ME/CFS?

Nein. Die diagnostischen Kriterien unterscheiden zwischen erforderlichen Beschwerden und weiteren möglichen Symptomen. Eine Fachperson muss das gesamte Bild und andere mögliche Ursachen beurteilen.

Ist Fatigue dasselbe wie PEM?

Nein. Fatigue beschreibt eine erheblich einschränkende Erschöpfung. PEM ist eine Verschlechterung von Beschwerden nach Belastung und kann weit mehr als Erschöpfung umfassen.

Bedeutet Schwindel beim Aufstehen, dass ich ME/CFS habe?

Nein. Beschwerden in aufrechter Haltung haben verschiedene mögliche Ursachen. Sie können bei ME/CFS vorkommen, sollten aber medizinisch eingeordnet werden.