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Low-Dose-Naltrexon (LDN)
Low-Dose-Naltrexon (LDN) ist der Einsatz von Naltrexon in einer sehr niedrigen Dosis. Diese niedrige Dosis wird manchmal bei ME/CFS und Long COVID ausprobiert. LDN soll helfen gegen Müdigkeit, Schmerzen und Denkprobleme. Diese Anwendung ist nicht offiziell genehmigt: Es gibt keine bestätigte Wirksamkeit und Sicherheit für ME/CFS. Die bisherigen Studien geben erste Hinweise, sind aber nicht genug, um einen sicheren Nutzen zu zeigen.
Wichtiger Hinweis: In diesem Artikel werden keine Dosierungen oder Einnahmepläne erwähnt. LDN ist nur auf Rezept zu bekommen und sollte nur nach einer genauen Untersuchung durch den Arzt eingenommen werden. Es kann gefährliche Wechselwirkungen geben, besonders mit Schmerzmitteln, die Opioide enthalten.
Was ist Naltrexon?
Naltrexon ist ein Stoff, der die Wirkung von Opioiden blockiert. Opioide sind Stoffe, die Schmerzen lindern. In einer normalen Dosis wird Naltrexon zur Behandlung von Alkohol- und Opioidabhängigkeit eingesetzt.
„Low Dose“ ist keine eigene zugelassene Arzneimittelform. Es beschreibt eine niedrigere Dosis, die nicht erlaubt ist. Für ME/CFS oder Long COVID gibt es bisher keine genehmigte Behandlung mit LDN und auch kein einheitliches Dosierungsschema.
Bei welchen Beschwerden wird LDN erprobt?
In Studien und bei Ärzten wurde LDN für folgende Beschwerden eingesetzt:
- Müdigkeit und geringere Leistungsfähigkeit
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
- Schmerzen in Muskeln, Gelenken und Nerven
- Schlafprobleme oder unruhiger Schlaf
- allgemeine Symptome
- bei Long COVID manchmal auch starke Müdigkeit nach Anstrengung (PEM)
Nicht jeder Mensch spricht auf LDN an. Manche merken keine Wirkung, andere hören auf, LDN zu nehmen, weil sie Nebenwirkungen haben oder sich schlechter fühlen. Wenn die Symptome besser werden, bedeutet das nicht, dass ME/CFS geheilt ist oder dass man mehr Belastung aushält.
Wie könnte LDN wirken?
Es ist nicht klar, wie LDN bei ME/CFS und Long COVID wirkt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:
- Eine kurzfristige Blockade von Opioidrezeptoren könnte die Regulation von körpereigenen Schmerzstoffen verändern.
- Naltrexon könnte das Immunsystem beeinflussen, besonders bestimmte Rezeptoren.
- Laboruntersuchungen zeigen mögliche Effekte auf Zellen des Immunsystems.
Diese Erklärungen sind interessant, aber klinisch nicht sicher bewiesen. Ein Effekt im Labor heißt nicht, dass die Symptome bei Patienten sich bessern.
Wie ist die Studienlage bei ME/CFS?
Die wichtigste Studie zu ME/CFS ist eine Auswertung von Polo, Pesonen und Tuominen aus dem Jahr 2019. Dabei wurden 218 Krankheitsakten betrachtet. Einige Menschen berichteten von Verbesserungen, besonders bei Wachheit und Schmerzen.
Die Aussagekraft dieser Studie ist jedoch begrenzt. Es gab keine Zufallszuweisung oder Kontrollgruppe, und die Ergebnisse basierten auf subjektiven Berichten. Es ist nicht sicher, ob die Veränderungen durch LDN, den Krankheitsverlauf oder andere Behandlungen verursacht wurden.
Eine weitere Studie aus 2020 beschreibt drei Fälle von Personen mit ME/CFS, die unterschiedlich auf LDN reagierten. Solche Berichte können Hinweise geben, aber keine Wirksamkeit beweisen.
Für ME/CFS fehlen weiterhin ausreichend große, veröffentlichte und kontrollierte Studien zu LDN. Es ist keine wissenschaftlich geprüfte Standardbehandlung.
Vorläufige Ergebnisse der kanadischen Studie
Auf der International ME/CFS Conference 2026 stellte der Studienleiter Luis Nacul erste Ergebnisse einer Untersuchung vor. Diese Untersuchung war kontrolliert und untersucht die Wirkung von LDN nach einer COVID-Erkrankung. Von 160 Personen konnten 137 die 16-wöchige Nachbeobachtung beenden.
Der Hauptmesspunkt war die Schwere der Müdigkeit, gemessen mit der Fatigue Severity Scale (FSS). Es gab keinen Unterschied zwischen der LDN-Gruppe und der Kontrollgruppe. Laut einem Kriterium verbesserten sich 44 Prozent in der LDN-Gruppe und 41 Prozent in der Kontrollgruppe. Das zeigt, dass LDN nicht besser ist als Placebo.
Diese Ergebnisse sind vorläufig und noch nicht vollständig veröffentlicht. Weitere Auswertungen laufen zu verschiedenen Aspekten. Viele Menschen berichten von einer Verbesserung der Schmerzen durch LDN, aber die Hauptmessung berücksichtigt keine Schmerzen.
Einnahme und Verlaufskontrolle
In der Praxis wird LDN meist langsam mit einer niedrigen Dosis begonnen. Menschen mit ME/CFS können empfindlich auf Medikamente reagieren. Daher sollten Anpassungen vorsichtig und über längere Zeiträume vorgenommen werden. Eine Wirkung kann verzögert auftreten.
Vor Beginn der Behandlung sollten alle Beschwerden, die Lebensqualität, Medikamente und Laborwerte festgehalten werden. Stattdessen kann ein Symptomtagebuch oder ein Funktionsfragebogen helfen. Eine vorübergehende Verbesserung sollte nicht dazu führen, dass man sich überanstrengt. Es ist wichtig, die eigene Belastungsgrenze zu beachten.
Wenn es keinen klaren Nutzen gibt oder Nebenwirkungen auftreten, sollte man mit dem Ärzteteam sprechen, ob die Behandlung beendet werden sollte. Naltrexon sollte nicht ohne ärztliche Anweisung begonnen, verändert oder abgesetzt werden.
Herstellung in der Apotheke
In Deutschland sind die niedrigen Dosen von LDN oft nicht als Fertigarzneimittel erhältlich. Nach einem Rezept kann eine Apotheke jedoch Kapseln oder Flüssigkeiten herstellen. Einige Apotheken haben sich auf LDN spezialisiert.
Wichtig ist, Allergien oder Unverträglichkeiten der Arztpraxis und der Apotheke mitzuteilen. Die Haltbarkeit und Lagerung von flüssigen Zubereitungen hängt von der Rezeptur ab. Die Apotheke gibt die wichtigen Informationen dazu. Eine LDN-Lösung sollte nicht zuhause aus anderen Tabletten gemacht werden.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
Opioidhaltige Medikamente
LDN darf nicht ohne weiteres mit Opioiden kombiniert werden. Naltrexon blockiert deren Wirkung und kann bei einer Opioidabhängigkeit einen Entzug auslösen. Dazu gehören nicht nur starke Schmerzmittel, sondern auch bestimmte Hustenmittel.
Vor der Verschreibung müssen alle Medikamente angegeben werden. Ob und wann ein Opioid abgesetzt werden muss, entscheidet der Arzt. Opioide dürfen nicht eigenständig abgesetzt werden.
Bei einer Operation oder Schmerzbehandlung sollten das Behandlungsteam und die Anästhesie über die Naltrexon-Einnahme informiert werden. Ein Medikamentenplan kann hilfreich sein. Es ist gefährlich, mit höheren Dosen zu versuchen, die blockierte Opioidwirkung zu überwinden.
Weitere wichtige Vorsichtsmaßnahmen
Ärzte müssen bei folgenden Dingen besonders prüfen:
- akute Lebererkrankungen oder auffällige Leberwerte,
- eingeschränkte Nierenfunktion,
- Schwangerschaft oder Stillzeit,
- bevorstehenden Operationen oder einer Opioidtherapie,
- Einnahme anderer Medikamente, die die Leber schädigen können.
Je nach Vorerkrankungen sind gegebenenfalls Laboruntersuchungen nötig.
Mögliche Nebenwirkungen
Auch niedrig dosiertes Naltrexon kann Nebenwirkungen haben. Dazu berichten Menschen von:
- lebhaften Träumen oder Schlafstörungen
- Kopfschmerzen
- Übelkeit, Bauchbeschwerden oder Durchfall
- Schwindel
- Unruhe
- verstärkter Müdigkeit oder anderen Beschwerden
Wenn es Schlafprobleme gibt, kann der Zeitpunkt der Einnahme angepasst werden. Dies sollte man mit dem Arzt besprechen. Bei Gelbfärbung der Haut oder Augen, dunklem Urin, starken Bauchschmerzen, allergischen Reaktionen oder stark veränderten Gefühlen sollte man sofort einen Arzt aufsuchen.
Häufige Fragen
Ist LDN für ME/CFS zugelassen?
Nein. Naltrexon ist als Wirkstoff zugelassen, aber nicht für ME/CFS oder Long COVID in niedriger Dosis. Es wird off-label verordnet.
Ist die Wirksamkeit von LDN bei ME/CFS bewiesen?
Nein. Es gibt erste Hinweise aus Studien, aber die Wirksamkeit ist nicht bewiesen. Es fehlen aussagekräftige kontrollierte Studien.
Welche Symptome kann LDN möglicherweise lindern?
In einigen kleinen Studien wurden Verbesserungen bei Müdigkeit, Schmerzen, Schlaf, Konzentration und Funktion berichtet. Es ist nicht sicher, wer davon profitiert. Probleme können auch schlimmer werden oder die Wirkung bleibt aus.
Kann LDN zusammen mit opioidhaltigen Schmerzmitteln eingenommen werden?
Eine solche Kombination kann gefährlich sein. Naltrexon blockiert die Wirkung der Opioide und kann Entzugserscheinungen auslösen. Alle Opioid-Medikamente müssen vorher geprüft werden.
Muss LDN von einer Apotheke hergestellt werden?
Für die niedrigen Dosierungen ist oft eine Rezeptur aus der Apotheke nötig. Mögliche Formen sind Kapseln oder flüssige Zubereitungen. Die Apotheke legt alle wichtigen Informationen fest.