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 ====== Reha Ablehnung ====== ====== Reha Ablehnung ======
-Während man Krankengeld bekommt, schaut die Krankenkasse mit Hilfe des Medizinischen Dienstes, ob eine medizinische Rehabilitation geholfen werden kann. Wenn ja, fordert die Krankenkasse die betroffene Person auf, einen Reha-Antrag zu stellen [[law:sgb_5:51#abs_1|§ 51 SGB V]]. Dieser Antrag wird auch als Antrag auf Erwerbsminderungsrente gewertet [[law:sgb_6:116#abs_2|§ 116 Abs. 2 SGB VI]], wenn man die nötigen Voraussetzungen erfüllt.+Wenn jemand Krankengeld bekommt, prüft die Krankenkasse, ob eine medizinische Rehabilitation helfen kann, die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen. Wenn die Krankenkasse das denkt, muss der Versicherte einen Reha-Antrag stellen [[law:sgb_5:51#abs_1|§ 51 SGB V]]. Dieser Antrag ist auch ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente [[law:sgb_6:116#abs_2|§ 116 Abs. 2 SGB VI]], wenn die Voraussetzungen dafür erfüllt sind.
  
-Stellt man den Antrag nicht innerhalb der von der Krankenkasse angegebenen Frist (meist zehn Wochen), kann die Krankenkasse das Krankengeld einstellen. Während der Reha bezahlt meistens die Deutsche Rentenversicherung Übergangsgeld. Das Krankengeld wird in dieser Zeit nicht gezahlt. Nach der Reha schaut die Krankenkasse anhand des Entlassungsberichts, ob man wieder arbeiten kann oder ob weiterhin Krankengeld gezahlt werden muss.+Wenn der Reha-Antrag nicht innerhalb von zehn Wochen gestellt wird, kann die Krankenkasse das Krankengeld einstellen. Während der Reha zahlt normalerweise die Deutsche Rentenversicherung Übergangsgeld. Das Krankengeld wird in dieser Zeit nicht gezahlt. Nach der Reha prüft die Krankenkasse, ob die Arbeitsfähigkeit wieder da ist oder ob weiterhin Krankengeld gezahlt werden muss.
  
-Das Dokument [[https://www.krebsgesellschaft.de/arbeitsgemeinschaften/aso.html?file=files/dkg/deutsche-krebsgesellschaft/content/pdf/Sektion%20B/arbeitshilfe-fuer-sozialdienste-und-beratungsstellen.pdf&cid=92899|Die Aufforderung der Krankenkasse zum Antrag auf Rehabilitation verstehen -- Arbeitshilfe für Sozialdienste und ambulante Beratungsstellen zur Problematik des § 51 SGB V]] gibt hilfreiche Informationen, auch wenn es speziell für Krebserkrankungen gedacht ist.+Das Dokument [[https://www.krebsgesellschaft.de/arbeitsgemeinschaften/aso.html?file=files/dkg/deutsche-krebsgesellschaft/content/pdf/Sektion%20B/arbeitshilfe-fuer-sozialdienste-und-beratungsstellen.pdf&cid=92899|Die Aufforderung der Krankenkasse zum Antrag auf Rehabilitation verstehen -- Arbeitshilfe für Sozialdienste und ambulante Beratungsstellen]] gibt wichtige Informationen dazu, auch wenn es sich auf Krebserkrankungen konzentriert.
  
 ===== Gegenwehr ====== ===== Gegenwehr ======
 <WRAP center round tip 60%> <WRAP center round tip 60%>
-Meine persönliche Empfehlung für das Vorgehen: +Hier sind meine Tipps für das Vorgehen: 
-  * [[recht:sozialrecht:widerspruch|Widerspruch]] bei der Krankenkasse einlegen und Akteneinsicht beantragen +  * [[recht:sozialrecht:widerspruch|Widerspruch]] bei der Krankenkasse einlegen und Akteneinsicht beantragen. 
-  * Eine Begründung für den Widerspruch schreiben +  * Eine Begründung für den Widerspruch schreiben. 
-  * Spätestens nach zehn Wochen: Antrag bei der DRV stellen +  * Spätestens nach zehn Wochen den Antrag bei der DRV stellen. 
-  * Die Gründe und Atteste aus dem Widerspruch nutzen, um der DRV zu zeigen, dass eine Reha nicht möglich ist+  * Die Argumente und Bescheinigungen aus dem Widerspruch nutzen, um der DRV zu zeigen, dass eine Reha nicht möglich ist.
 </WRAP> </WRAP>
  
-Gegen die Aufforderung zum Reha-Antrag kann man Widerspruch einlegen und danach klagen. Beide Schritte bringen in der Regel, dass man bis zur Entscheidung weiterhin Krankengeld bekommt. Es besteht jedoch das Risiko, dass man das Krankengeld zurückzahlen muss, wenn Widerspruch oder Klage nicht erfolgreich sind.+Gegen die Forderung, einen Reha-Antrag zu stellen, kann Widerspruch und später Klage eingelegt werden. Diese haben normalerweise aufschiebende Wirkung. Das bedeutet, dass das Krankengeld bis zur Entscheidung weitergezahlt werden muss. Es besteht aber das Risiko, dass das Krankengeld zurückgezahlt werden muss, wenn Widerspruch oder Klage nicht erfolgreich sind.
  
-Da der Widerspruch wahrscheinlich abgelehnt wird, sollte man spätestens nach der 10-Wochen-Frist einen Antrag auf medizinische Rehabilitation bei der Deutschen Rentenversicherung stellen, um den Anspruch auf Krankengeld zu wahren. +Da der Widerspruch wahrscheinlich abgelehnt wird, sollte spätestens nach zehn Wochen ein Antrag auf medizinische Rehabilitation bei der Deutschen Rentenversicherung gestellt werden. Der Antrag kann mit Argumenten und ärztlichen Bescheinigungen belegt werden, dass eine Reha zurzeit nicht möglich ist. Die folgende Stellungnahme sollte zusammen mit dem Antrag an die DRV geschickt werden.
- +
-Bei der Deutschen Rentenversicherung kann man mit Argumenten und ärztlichen Attesten zeigen, dass eine Reha zurzeit medizinisch nicht möglich ist. Diese Stellungnahme sollte mit dem Antrag an die DRV geschickt werden.+
  
 <WRAP right round vorlage 80%> <WRAP right round vorlage 80%>
 Sehr geehrte Damen und Herren, Sehr geehrte Damen und Herren,
  
-ich möchte Ihnen erklären, warum ich eine Rehabilitationsmaßnahme in meiner derzeitigen gesundheitlichen Situation nicht für sinnvoll halte. Ich halte eine Reha für unmöglich.+ich möchte erklären, warum ich in meiner aktuellen gesundheitlichen Situation eine Rehabilitationsmaßnahme nicht für hilfreich halte. Ich denke, dass ich nicht rehabilitationsfähig bin.
  
 [...Hier folgen die Argumente aus dem Widerspruch...] [...Hier folgen die Argumente aus dem Widerspruch...]
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 ===== Argumente ===== ===== Argumente =====
-Hier sind Argumente, die man nutzen kann, wenn die Krankenkasse eine Reha anordnet und man denkt, dass das nicht sinnvoll ist.+Hier sind Argumente, die man nutzen kann, wenn die Krankenkasse eine Reha anordnet, die man für nicht sinnvoll hält.
  
-In der Argumentation mit der Krankenkasse kann man folgende Punkte erwähnen:+In der Argumentation mit der Krankenkasse können folgende Punkte erwähnt werden:
  
-  * Keine Rehafähigkeit \\ Die nötigen Voraussetzungen und Ziele der Reha-Richtlinien (§9 und §10) sind bei mir nicht erfüllt. +  * Keine Rehafähigkeit \\ Die Voraussetzungen und Ziele der Reha-Richtlinien (§9 und §10) sind bei mir nicht erfüllt. 
-  * Keine Evidenz / Verschlechterung des Zustands durch Therapie \\ Es gibt keine medizinische Beweise dafür, dass eine Reha in dieser Situation hilft. Im Gegenteil, Fachliteratur führt zu dem Schluss, dass sie schädlich sein kann. § 63 SGB I ist nicht erfüllt, daher gibt es keine Mitwirkungspflicht gemäß §65 (2). +  * Keine Evidenz / Verschlechterung durch Therapie \\ Es gibt keine medizinischen Beweise dafür, dass eine Reha in meinem Fall hilfreich ist. In der Fachliteratur wird sogar ein Risiko für die Gesundheit der Patienten gesehen. Somit ist § 63 SGB I nicht erfüllt und es gibt keine Mitwirkungspflicht gemäß § 65 (2). 
-  * Keine passende Einrichtung in der Nähe +  * Keine geeignete Einrichtung in meiner Nähe. 
-  * Persönliche Gründe+  * Persönliche Gründe.
  
 ==== Keine Rehabilitationsfähigkeit ==== ==== Keine Rehabilitationsfähigkeit ====
-Das könnte man als Grund angeben, dass keine Rehabilitationsfähigkeit nach §9 Reha-Richtlinien vorliegt:+Mögliche Gründe, warum keine Rehabilitationsfähigkeit vorliegt:
  
-  * Die Anfahrt ist zu anstrengend für mich. +  * Die Anfahrt zur Reha übersteigt meine Kräfte. 
-  * Ich habe keine Kraft. +  * Ich habe keine Kraftreserven. 
-  * Ich kann im Speisesaal nicht essen. +  * Ich kann im Essenssaal nicht essen. 
-  * Nach einer kurzen Therapieeinheit habe ich keine Energie mehr für den Rest des Tages.+  * Nach einer kurzen Therapieeinheit merke ich, dass ich für den Rest des Tages keine Energie mehr habe.
  
-Ein Arzt sollte die Reha-Unfähigkeit bestätigen.+Ein Arzt kann am besten die Reha-Unfähigkeit bestätigen.
  
-==== Keine Evidenz / Verschlechterung des Zustands durch Therapie ====+==== Keine Evidenz / Verschlechterung des Zustandes durch Therapie ====
  
-Die Post-exertionelle Malaise (PEM), die bei ME/CFS auftritt, macht es sehr wahrscheinlich, dass eine Reha schädlich für die Gesundheit sein kann. Daher sind die Voraussetzungen für eine Heilbehandlung gemäß §63 nicht erfüllt und es gibt keine Mitwirkungspflicht gemäß §65 (2). +Bei einer Reha kann es durch meine Krankheit zu einer Verschlechterung kommen. Daher sind die Voraussetzungen für eine Heilbehandlung gemäß § 63 nicht erfüllt und es gibt keine Mitwirkungspflicht gemäß § 65 (2).
  
-Die folgenden Belege zeigen, dass die Therapien in Reha-Einrichtungen nicht wissenschaftlich untersucht sind. Menschen, die an einer Reha teilnehmen, sind wie Versuchskaninchen und riskieren ihre Gesundheit.+Die folgenden Belege zeigen, dass die Therapien in Reha-Einrichtungen nicht ausreichend untersucht sind. Die Teilnehmer an einer Reha sind somit wie Versuchskaninchen und riskieren ihre Gesundheit.
  
 Mögliche Belege: Mögliche Belege:
  
-Myalgische Enzephalomyelitis / Chronic Fatigue Syndrome (ME/CFS) \\ +Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Erschöpfungssyndrom (ME/CFS) \\ 
-Aktueller Kenntnisstand Stand: N21-01 1.0  Datum: 17.04.2023 \\+Aktueller Wissensstand: N21-01 1.0, Datum: 17.04.2023 \\
 IQWiG-Berichte – Nr. 1539 \\ IQWiG-Berichte – Nr. 1539 \\
 https://www.iqwig.de/download/n21-01_me-cfs-aktueller-kenntnisstand_abschlussbericht_v1-0.pdf https://www.iqwig.de/download/n21-01_me-cfs-aktueller-kenntnisstand_abschlussbericht_v1-0.pdf
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 Handlungsempfehlungen: \\ Handlungsempfehlungen: \\
 [...] \\ [...] \\
-Bei geeignetem Studien sollte untersucht werden, ob es Nutzen oder mögliche Schäden von aktivierenden Therapien gibt. Auch sollte geprüft werden, ob Schäden durch falsche Therapie entstehen können. Eine erste Studie zur Verbesserung der Versorgung mit einem auf ME/CFS angepassten Rehabilitationskonzept hat bereits begonnen. \\ +Es sollte untersucht werden, ob aktivierende Therapien nützlich oder schädlich sind. Eine Studie zu einem Rehabilitationskonzept für ME/CFS hat bereits begonnen. \\  
-Es ist nötig, den Nutzen und Schaden von Pacing zu vergleichen. Bis genug Studien resultieren, muss die Entscheidung für oder gegen eine Therapie individuell und mit klarer Erklärung über Vor- und Nachteile getroffen werden. +Da es keine ausreichenden Studienergebnisse gibt, sollten Entscheidungen immer gut informiert getroffen werden. 
 [...] \\ [...] \\
 Seite 197: \\ Seite 197: \\
-Patientenberichte zeigen, dass aktivierende Therapien in einer Reha oft zu gesundheitlichen Verschlechterungen führen. (siehe Abschnitt 5.7). +Einige Patienten berichten, dass aktivierende Therapien während einer Reha zu gesundheitlichen Verschlechterungen führen. Es bleibt unklar, warum diese Berichte nicht untersucht wurden.
-Es ist unklar, warum diese Berichte nicht dazu geführt haben, dass die Risiken dieser Behandlungen systematisch untersucht werden.+
 </WRAP> </WRAP>
  
-Interdisziplinäres, kollaboratives D-A-CH Konsensus-Statement zur Diagnostik und Behandlung von Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom \\+Interdisziplinäres D-A-CH Konsensus-Statement zur Diagnostik und Behandlung von ME/CFS \\
 https://link.springer.com/article/10.1007/s00508-024-02372-y \\ https://link.springer.com/article/10.1007/s00508-024-02372-y \\
  
 <WRAP center round info 80%> <WRAP center round info 80%>
-Bei Patienten mit Depression oder Burn-out kann die Motivation fehlen, während diese bei ME/CFS-Betroffenen vorhanden ist. Für Menschen mit ME/CFS kann eine Überlastung durch Sport oder Rehabilitationsmaßnahmen zu einer Verschlechterung führen. Daher ist Pacing zentral im Krankheitsmanagement und nicht die Aktivierung. \\ +Menschen mit ME/CFS reagieren anders auf Therapien als Menschen mit Depression oder Burnout. Aktivitäten verschlechtern den Zustand von ME/CFS-Betroffenen, während andere davon profitieren. Für ME/CFS wird „Pacing“ statt Aktivierung empfohlen.\\
 […]\\ […]\\
-Ziel von Pacing ist nicht, die Leistungsgrenzen zu steigern.  +Das Ziel von Pacing ist nicht, die Leistungsgrenzen zu erhöhen. Daher sind Reha-Kliniken, die sich auf Aktivierungstherapien stützen, bei ME/CFS nicht sinnvoll.
-Reha-Kliniken mit Aktivierungstherapien, die bei anderen chronischen Erkrankungen helfen, sind für ME/CFS nicht geeignet.+
 </WRAP> </WRAP>
  
-„Der Reha-Gedanke muss bei dieser Erkrankung völlig neu gedacht werden“ \\+„Der Reha-Gedanke muss bei dieser Erkrankung neu gedacht werden“ \\
 Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen, \\ Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen, \\
 Volume 188, 2024, Pages 14-25, ISSN 1865-9217 \\ Volume 188, 2024, Pages 14-25, ISSN 1865-9217 \\
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 <WRAP center round info 80%> <WRAP center round info 80%>
 „Reha-Erfolg\\ „Reha-Erfolg\\
-Auf die Frage, um wieviel Prozent sich ihr Allgemeinzustand durch die Reha vier Wochen danach verändert hat, [...] 50% berichteten von einer Verschlechterung, […] Im Durchschnitt berichteten die TN eine Veränderung ihres Zustands von -17%.“\\ +Viele Teilnehmer berichteten von einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes nach der Reha. Im Durchschnitt berichten Teilnehmer eine Verschlechterung um -17%.“\\
-\\ +
-und \\+
 \\ \\
 „Schlussfolgerungen \\ „Schlussfolgerungen \\
-Übliche Reha-Konzepte scheinen nicht geeignet zu sein, um dem Krankheitsbild eines PCS(=Post-COVID-Syndrom) gerecht zu werden. Ziele und Inhalte sollten angepasst werden, Pacing und Krankheitsbewältigung sollten im Mittelpunkt stehen. Vor einer Reha muss die Fähigkeit zur Teilnahme geprüft werden, um die Sicherheit der Betroffenen zu gewährleisten.“+Standard-Reha-Konzepte sind oft nicht geeignet für Patienten mit Post-COVID-Syndrom. Rehabilitationsziele sollten individuell angepasst werden und Pacing muss im Vordergrund stehen.“ 
 </WRAP> </WRAP>
  
-"Das Handbuch ME/CFS -- Patientenzentrierte Versorgung und interprofessionelle Handlungsempfehlungen"  +Das Handbuch ME/CFS -- Patientenzentrierte Versorgung und interprofessionelle Handlungsempfehlungen von Lotte Habermann-Horstmeier, 1. Auflage, ISBN: 9783456862828 \\
-von Lotte Habermann-Horstmeier, 1. Auflage, ISBN: 9783456862828 \\+
  
 <WRAP center round info 80%> <WRAP center round info 80%>
 Seite 202: \\ Seite 202: \\
-In einer Studie gaben nur 4,1 % der Betroffenen an, dass sich ihr Zustand durch eine Reha verbessert hat. 41,1 % hatten eine Verschlechterung und 27,3 % blieben gleich.+In einer Studie gaben nur 4,1 % der ME/CFS-Patienten an, dass sich ihr Zustand durch einen Aufenthalt in einer Reha verbessert hat, während er sich bei 41,1 % verschlechterte.
 </WRAP> </WRAP>
  
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-Frage: Gibt es Patient:innen mit PCS, bei denen keine Rehabilitationsfähigkeit vorliegt?\\+Frage: Gibt es Patient*innen mit Post-COVID-Syndrom, die nicht rehabilitationsfähig sind?\\
 \\ \\
-Die Schlüsselsymptome von PCS sollten vor einer Reha untersucht werden. Dazu gehört auch die PEM. Bei starken Einschränkungen wird oft keine ausreichende Belastbarkeit für eine Reha bestehen. Dies kann bei einem BellScore von ≤ 30 angenommen werden.+Bevor eine Rehabilitation beginnt, sollten die Symptome wie starke Einschränkungen untersucht werden. Oftmals ist die Belastbarkeit nicht hoch genug, um eine Reha durchzuführen.
 </WRAP> </WRAP>
  
-S2k-LL COVID-19 und (Früh-) Rehabilitation  \\+S2k-LL COVID-19 und (Früh-) Rehabilitation \\
 https://register.awmf.org/assets/guidelines/080-008l_S2k_COVID-19-und-Frueh-Rehabilitation_2024-01.pdf https://register.awmf.org/assets/guidelines/080-008l_S2k_COVID-19-und-Frueh-Rehabilitation_2024-01.pdf
  
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-Bei CFS/ME kann der Bell-Score genutzt werden, um die Schwere der Einschränkungen zu dokumentieren. Bei starken Einschränkungen wird oft keine ausreichende Belastbarkeit für eine Reha bestehen. Dies kann bei einem Bell-Score von ≤ 30 angenommen werden.+Wenn CFS/ME vorliegt, kann der Bell-Score verwendet werden, um die Schwere der Einschränkungen zu dokumentieren. Bei starken Einschränkungen ist oft keine ausreichende Belastbarkeit für eine Reha gegeben.
 </WRAP> </WRAP>
  
-Evaluation of an Integrated Multidisciplinary Care Model for Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome: A Prospective, Open-label, Non-randomized Controlled Intervention Study +Evaluation eines Modells für die Versorgung von MY/CFS-Patienten [[https://www.amjmed.com/article/S0002-9343(26)00668-6/fulltext|Artikel im American Journal of Medicine]]
-https://www.amjmed.com/article/S0002-9343(26)00668-6/fulltext+
  
 <WRAP center round info 80%> <WRAP center round info 80%>
-Zusammenfassung: +Zusammenfassung
-Auch ein angepasstes fünf Wochen Programm für ME/CFS Erkrankte brachte nach zwölf Monaten keinen nachweisbaren Vorteil bei der körperlichen Funktionsfähigkeit. Viele Teilnehmer berichteten von vorübergehenden Verschlechterungen durch Anreise oder Rehabahm. Nach der Reha hatten 45 % einen schlechteren [[bell_skala|Bell-Score]], während nur 14 % sich verbesserten. Wegen des Studiendesigns ist unklar, ob die Verschlechterung wirklich der Reha zuzuschreiben ist.+
  
-Die Autoren stellen den Nutzen von stationärer Rehabilitation bei ME/CFS infrage. Besonders Betroffene mit einem Bell-Score von 30 oder weniger sollten nicht zur Reha verpflichtet werden, auch nicht für Erwerbsminderungsrente.+Ein fünfwöchiges Programm für ME/CFS-Patienten zeigte keinen Vorteil für die körperliche Funktion. Viele berichteten von einer Verschlechterung durch das Rehabilitationsprogramm. 45 % hatten nach der Reha einen schlechteren Bell-Score.  
 +Die Autoren zweifeln den Nutzen stationärer Rehabilitation bei ME/CFS an.
 </WRAP> </WRAP>
  
 Postinfektiöse Erkrankungen: Versorgung, Dateninfrastruktur, Forschung und Prävention (Leopoldina, Nationale Akademie der Wissenschaften) Postinfektiöse Erkrankungen: Versorgung, Dateninfrastruktur, Forschung und Prävention (Leopoldina, Nationale Akademie der Wissenschaften)
-https://www.leopoldina.org/fileadmin/user_upload/Dokumente/2026_Leopoldina-Stellungnahme_Postinfektiöse_Erkrankungen.pdf+https://www.leopoldina.org/fileadmin/user_upload/Dokumente/2026_Leopoldina-Stellungnahme_Postinfekti%C3%B6se_Erkrankungen.pdf
  
 <WRAP center round info 80%> <WRAP center round info 80%>
 Seite 21: Seite 21:
  
-Der Umgang mit PEM sollte besser bekannt sein. Bei Patienten, die unter PEM leiden, können aufwändige Therapien die Gesundheit verschlechtern. Betroffene müssen oft alleine für ihre Rechte kämpfen und sich gegen nicht angepasste Reha-Maßnahmen wehren. Es gibt nur wenige Kliniken, die spezielle Behandlungen für PEM anbieten.+Patienten mit PEM (ein Merkmal von ME/CFS) können durch Rehabilitationsmaßnahmen geschädigt werden. Daher müssen Betroffene oft gekämpft werden, um unangemessene Therapien abzulehnen. Auch bei angepassten Reha-Maßnahmen fehlen Nachweise zu ihrer Wirksamkeit.
 </WRAP> </WRAP>
  
 ===== Gesetzliche Rahmenbedingungen ===== ===== Gesetzliche Rahmenbedingungen =====
-  * § 63 SGB I Heilbehandlung \\ Wer wegen Krankheit oder Behinderung Sozialleistungen beantragt, soll auf Verlangen einer Heilbehandlung zustimmen, wenn diese eine Besserung oder Verhinderung einer Verschlechterung erwartet. +  * [[law:sgb_1:63|§ 63 SGB I]] Heilbehandlung \\ Wenn man wegen Krankheit Sozialleistungen will, muss man sich einer Heilbehandlung unterziehen, wenn sie helfen kann. 
-  * § 65 SGB I Grenzen der Mitwirkung \\ (1) Die Mitwirkungspflichten bestehen nicht, wenn \\ 1. […] \\ 2. ein wichtiger Grund vorliegt oder \\ 3. […] \\ \\ (2) Behandlungen, bei denen ein Schaden für Leben oder Gesundheit nicht ausgeschlossen werden kann, können abgelehnt werden. +  * [[law:sgb_1:65|§ 65 SGB I]] Grenzen der Mitwirkung \\ (1) Die Mitwirkungspflichten bestehen nicht, wenn \\ 1. […] \\ 2. ihre Erfüllung nicht zumutbar ist oder \\ 3. […] \\ \\ (2) Behandlungen, bei denen ein Risiko für Leben oder Gesundheit bestehen kann, können abgelehnt werden. 
-  * § 9 Rehabilitationsfähigkeit, Reha-Richtlinien \\ Man ist rehabilitationsfähig, wenn man die nötige körperliche und psychische Belastbarkeit hat, um eine medizinische Rehabilitation durchzuführen. +  * [[https://www.g-ba.de/richtlinien/23/|§ 9 Rehabilitationsfähigkeit, Reha-RL (Stand 2025)]] \\ Person muss körperlich und psychisch fit genug sein, um an der Reha teilnehmen zu können. 
-  * § 10 Rehabilitationsprognose, Reha-Richtlinien \\ Die Prognose gibt eine medizinisch begründete Einschätzung, wie wahrscheinlich eine Reha erfolgreich sein kann. Sie basiert auf dem bisherigen Verlauf der Krankheit und persönlichen Faktoren.+  * [[https://www.g-ba.de/richtlinien/23/|§ 10 Rehabilitationsprognose und Rehabilitationsziele, Reha-RL (Stand 2025)]] \\ Prognose für den Erfolg der Reha muss medizinisch begründet sein.
  
 ==== Weitere Informationen ==== ==== Weitere Informationen ====
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 <wrap myindent> <wrap myindent>
-Reha-Aufforderung durch die Krankenkasse nur mit Gutachten+Reha-Anforderung der Krankenkasse nur mit Gutachten.
 </wrap> </wrap>
  
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-Der Widerspruch gegen die Aufforderung zur Stellung eines Rehabilitationsantrags hemmt nicht die Frist. Wenn die Aufforderung später bestätigt wird, entfällt der Krankengeldanspruch.+Der Widerspruch gegen eine Aufforderung der Krankenkasse zur Reha muss innerhalb der Frist gestellt werden. Wenn die Aufforderung später rechtkräftig ist, kann das Krankengeld entfallen.
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 __[[https://www.youtube.com/watch?v=V5wneRVCAtU|SovD: Zu krank für die Reha: Was sage ich der Krankenkasse?]]__ __[[https://www.youtube.com/watch?v=V5wneRVCAtU|SovD: Zu krank für die Reha: Was sage ich der Krankenkasse?]]__