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Studienkritik
Bedeutung der Studienkritik
Wissenschaftliche Studien sind sehr wichtig für die Medizin. Die Ergebnisse von Studien sind nur dann nützlich, wenn die Studie gut gemacht ist, die richtigen Personen untersucht werden und die Methoden stimmen.
Dieser Artikel erklärt häufige Probleme von Studien. Außerdem werden spezielle Probleme angesprochen, die bei Studien zu ME/CFS auftreten.
Für eine kritische Betrachtung von ME/CFS-Studien empfehle ich das englische Forum Science for ME.
Populationsgröße und Zusammensetzung
Ein wichtiger Punkt bei der Bewertung von Studien ist, wie groß die Gruppe der Teilnehmer ist und wer dazugehört. Bei kleinen Gruppen können die Ergebnisse unzuverlässig sein. Bei großen Gruppen ist es oft schwierig, weil es viel Aufwand kostet.
Wenn die Kriterien für die Teilnahme an der Studie unklar sind oder zu allgemein, sind die Teilnehmer sehr unterschiedlich. Gruppen, die man eigentlich separat ansehen sollte, werden zusammen betrachtet. Es ist dann unklar, ob die Ergebnisse für alle Gruppen gelten.
Studiendesign und Verblindung
Das Design einer Studie beeinflusst sehr stark, ob die Ergebnisse gültig sind.
Die beste Methode sind doppelblinde Studien (Randomized Controlled Trials – RCT). Hier wird die Gruppe der Teilnehmer in zwei Teile geteilt. Eine Gruppe erhält die echte Behandlung, die andere Gruppe bekommt ein Placebo. Weder die Teilnehmer noch die Forscher wissen, wer was erhält. Die Zuordnung wird erst nach der Auswertung bekannt.
Wenn keine Zufallsverteilung oder keine geeigneten Kontrollgruppen vorhanden sind, steigt das Risiko für Verzerrungen. In diesem Fall kann man nur schwer vertrauenswürdige Erkenntnisse gewinnen.
Endpunkte und Messmethoden
„Endpunkte und Messinstrumente“ beschreiben, welche Ergebnisse eine Studie betrachten und wie sie das machen. Sie entscheiden, ob eine Studie als erfolgreich gültig ist. Wenn Endpunkte ungeeignet oder nachträglich verändert werden, kann das die Ergebnisse stark verzerren.
In ME/CFS-Studien werden oft die Symptome, das Funktionsniveau oder die Lebensqualität gemessen. Zum Beispiel wird die Schwere der Fatigue, die körperliche Belastbarkeit oder die kognitive Leistungsfähigkeit untersucht. Dafür gibt es Selbstfragebögen wie den Chalder Fatigue Questionnaire oder den SF-36. Auch objektive Methoden wie Aktigraphie, kardiopulmonale Belastungstests (CPET) oder neurokognitive Tests werden genutzt.
Die Auswahl der Endpunkte und Messmethoden ist sehr wichtig für die Aussagekraft einer Studie. Oft wird die minimale klinisch relevante Differenz (MCID) genutzt. Diese gibt an, ab wann eine statistisch auffällige Veränderung auch für die Betroffenen im Alltag spürbar ist. Der Bell-Score hat einen MCID-Wert zwischen 10 und 20.
Wenn viele subjektive Informationen ohne objektive Messungen verwendet werden, kann das problematisch sein. Wenn Endpunkte später geändert oder nicht vollständig berichtet werden, kann das zu verzerrten Ergebnissen führen. Je mehr Endpunkte und Messmethoden es gibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass durch Zufall einige statistisch auffällige Ergebnisse auftauchen.
Peer Review
Peer Review ist ein Verfahren, bei dem Fachleute, die unabhängig sind, wissenschaftliche Arbeiten prüfen, bevor sie veröffentlicht werden. Ziel ist, Fehler oder Schwächen zu finden, um die Qualität von wissenschaftlichen Arbeiten und der Forschung zu verbessern.
Spezifische Problembereiche bei ME/CFS-Studien
Uneinheitliche Diagnosekriterien
Ein großes Problem in der Forschung zu Myalgischer Enzephalomyelitis / Chronic Fatigue Syndrome (ME/CFS) sind die unterschiedlichen Diagnosekriterien. Verschiedene Studien benutzen unterschiedliche Definitionen, was zu ungenauen Ergebnissen führt. Zu breite oder alte Kriterien können dazu führen, dass trotz falscher Merkmale Personen eingeschlossen werden. Das macht es schwierig, die Ergebnisse zu vergleichen.
Es gibt auch Meinungen, dass ME/CFS in mehrere Subtypen unterteilt werden sollte. Eine gute Studie hat klare Kriterien und schaut sich nur einen Subtyp an.
Berücksichtigung von Post-Exertional Malaise (PEM)
Post-Exertional Malaise (PEM) ist ein wichtiges Merkmal von ME/CFS. In vielen Studien ist unklar, ob PEM als wichtiges Kriterium gilt oder wie es gemessen wird. Oft wird nicht systematisch untersucht, ob Symptome nach Anstrengung schlimmer werden. Das kann dazu führen, dass schädliche Effekte nicht erkannt werden. Studien, die PEM nicht berücksichtigen, erfassen nicht die zentrale Krankheit.
Abgrenzung zu anderen Fatigue-Erkrankungen
Ein weiteres Problem ist die unzureichende Unterscheidung von ME/CFS und anderen Fatigue-Erkrankungen. Manchmal werden Personen mit unspezifischer Müdigkeit oder psychischen Problemen einbezogen, ohne die Gruppen zu unterscheiden. Das kann die Ergebnisse verfälschen, wenn die untersuchten Behandlungen auf ME/CFS angewandt werden.
Abgrenzung zu Post-Covid- und Long-Covid-Erkrankungen
Seit der COVID-19-Pandemie gibt es viele Überschneidungen zwischen ME/CFS- und Post-Covid-Studien. Oft ist unklar, ob Post-Covid-Patienten einbezogen wurden oder ob sie separat betrachtet wurden. Eine klare Abgrenzung ist wichtig, um Rückschlüsse auf ME/CFS zu ziehen.
Subjektive Endpunkte und fehlende Objektivierung
Viele ME/CFS-Studien stützen sich auf subjektive Aussagen der Teilnehmer. Objektive Messungen für ME/CFS und PEM fehlen oft. Das verringert die Aussagekraft der Studien erheblich.
Umgang mit Verschlechterungen und Studienabbrüchen
Verschlechterungen des Gesundheitszustands werden in ME/CFS-Studien nicht immer erfasst oder berichtet. Hohe Abbruchraten können die Ergebnisse stark beeinflussen, besonders wenn sie durch Behandlungen verursacht sind. Eine mangelhafte Analyse von Studienabbrüchen kann potenzielle Risiken für die Teilnehmer verstecken und zu übertrieben positiven Ergebnissen führen.