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ICF
Die Internationale Klassifikation (ICF) der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit ist ein zentrales Instrument zur Beschreibung der Auswirkungen von Erkrankungen auf das tägliche Leben. Sie wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt und wird international im medizinischen und sozialrechtlichen Kontext verwendet.
Die ICF basiert auf einem bio-psycho-sozialen Modell von Gesundheit. Sie betrachtet den Menschen ganzheitlich und beschreibt nicht nur körperliche Funktionen, sondern auch Aktivitäten, Teilhabe sowie fördernde oder hindernde Umweltfaktoren.
Die Klassifikation gliedert sich in mehrere Bereiche.
- b Körperfunktionen
Körperfunktionen beschreiben geschädigte physiologische Funktionen des Körpers, wie z. B. eingeschränkte mentale Fähigkeiten oder eingeschränkte Sinneswahrnehmungen. - s Körperstrukturen
Körperstrukturen beschreiben Schädigungen an den anatomischen Teilen des Körpers, wie z. B. Organe, Gliedmaßen. - d Aktivitäten und Partizipation
Beschreibt Einschränkungen bei den Aktivitäten, die eine Person tun kann, oder beschreibt Einschränkungen an der Teilhabe in den verschiedenen Lebensbereichen. - e Umweltfaktoren
Umweltfaktoren berücksichtigen äußere Einflüsse wie Unterstützung, Barrieren oder Versorgungssysteme.
Beispiele für ICF
Die folgenden Beispiele zeigen einige ICF Kategorien inkl. Kommentare zur Veranschaulichung.
Körperfunktionen
- b130 Funktionen der psychischen Energie und des Antriebs
Deutliche bis schwere Einschränkungen durch anhaltende Erschöpfung und Post Exertional Malaise. - b140 Funktionen der Aufmerksamkeit
Probleme mit Konzentration, Informationsverarbeitung und geistiger Belastbarkeit. - b455 Funktionen der kardiorespiratorischen Belastbarkeit
Starke Einschränkungen bei körperlicher und mentaler Aktivität. - b420 Blutdruckfunktionen
Beeinträchtigungen durch orthostatische Intoleranz.
Aktivitäten und Partizipation
- d450 Gehen
Nur kurze Strecken möglich, häufige Pausen erforderlich. - d410 Eine elementare Körperposition wechseln
Probleme beim Aufstehen oder längeren Stehen. - d160 Aufmerksamkeit fokussieren
Lesen, Schreiben oder Zuhören nur eingeschränkt möglich. - d230 Durchführen der täglichen Routine
Alltagsabläufe können nicht zuverlässig eingehalten werden. - d850 Bezahlte Tätigkeit
Erwerbsarbeit nicht möglich oder nur in sehr reduziertem Umfang. - d920 Erholung und Freizeit
Praktisch keine Teilnahme an sozialen oder kulturellen Aktivitäten. - d750 Informelle soziale Beziehungen
Soziale Kontakte stark eingeschränkt durch begrenzte Belastbarkeit.
Umweltfaktoren
- e310 Engster Familienkreis
Zentral für Bewältigung des Alltags. - e580 Dienste, Systeme und Handlungsgrundsätze des Gesundheitswesens
Versorgung oft nicht ausreichend auf ME/CFS abgestimmt.
Alle ICF-Codes sind in der Anwendung Gesundheitssteckbrief verfügbar und können dort individuell zusammengestellt werden.
ICF Core Sets
ICF Core Sets sind von Fachgesellschaften für bestimmte Krankheiten entwickelte Listen mit einer Vorauswahl an ICF Codes. Diese ICF Codes sind üblicherweise für die jeweilige Krankheit relevant und sollen die Nutzung der ICF vereinfachen.
Für ME/CFS existiert derzeit kein eigenes ICF Core Set. Dennoch können die Core Sets „Multiple Sklerose“ oder „Neurologische Erkrankungen Postakut“ als Startpunkt genutzt werden.
Abgrenzung zwischen ICD und ICF
Die ICD und die ICF erfüllen unterschiedliche Aufgaben, ergänzen sich aber. Die ICD dient der medizinischen Diagnosestellung und klassifiziert Krankheiten. Die ICD wird genutzt, um zu beschreiben, welche Erkrankungen vorliegen.
Die ICF hingegen beschreibt, wie sich die Summe an Erkrankungen auf das Leben einer Person auswirkt. Sie fokussiert sich auf eine Beschreibung der Funktionsfähigkeit und auf die Einschränkung bzgl. Aktivität und Teilhabe.
Zwei Menschen mit derselben ICD Diagnose können somit sehr unterschiedliche ICF Profile aufweisen.
